Blower-Door-Test Nr. 2 und Hausübergabe

Nachdem wir den ersten Blower-Door-Test (BDT) nicht bestanden haben, wurde unter anderem an den Rohr-Durchgängen am Dach nachgearbeitet. Beim 2. BDT-Termin am 22.10.2013 fielen wir erneut mit fast den selben Werten durch. Die Korrektur-Maßnahmen hatten also nichts bewirkt. Zu unserer Überraschung klebte der VQC-Mann dann die LUNOS-Lüftungsanlage ab, machte erneut eine Messung und erklärte daraufhin den BDT mit einem Wert von 1,17 für bestanden! Der erste “Typ A”-Test sei der Test unter Realbedingungen und der zweite “Typ B”-Test ein Test nach Abkleben der gewollten Undichtigkeiten. Da an allen vom Dach runterführenden Verkofferungen der Rohrleitungen starke Luftströme zu messen waren, müsse HS-Solid jedoch trotz bestandenem Test nacharbeiten. Einen weiteren BDT werde es nicht geben. Man denke nun über den VQC, was man wolle. Ich kontaktierte daraufhin den Bauleiter, um ihm mitzuteilen, dass eine erfolgreiche Übergabe am Mittwoch für uns in Frage steht. Er meinte nur, wenn der BDT bestanden sei, stehe der Übergabe nichts im Wege. Wie froh war ich, dass wir beim BDT dabei waren (Als Town & Country-Bauherr erhält man bei der Übergabe nur das Zertifikat, dass der BDT bestanden ist. Prüfprotokolle werden nicht (!) ausgehändigt). So konnte ich ihn mit den Aussagen des VQC-Prüfers konfrontieren. Am Do, 24.10.2013, erfolgte somit eine erneute Öffnung des Daches an den ausgehenden Rohrleitungen. Es wurden noch ein paar Undichtigkeiten gefunden. Diese wurden unter Aufsicht unseres Baubetreuers erneut verklebt und eingeschäumt. Wir hoffen, das war’s dann. Jedem Town & Country-Bauherrn ist dringend zu empfehlen, bei den VQC-Begehungen anwesend zu sein! Nur so bekommt man je was über festgestellte Beanstandungen mit. Und man sollte bedenken, dass der VQC einem seiner wichtigsten Kunden in jedem Fall loyal sein wird.

Am Freitag, 25.10.2013, war schließlich Hausübergabe. Damit vergingen von der Einmessung (entspricht Baubeginn) bis zur Übergabe 6 Monate und 20 Tage. Wer jedoch glaubt, dass mit der Hausübergabe auch die Fertigstellung gemeint ist, irrt gewaltig: Noch am Mittwoch, 23.10.2013, erstellte ich bis tief in die Nacht hinein eine 5-seitige Mängelliste. Obwohl die fünf Seiten auch durch viele Fotos bedingt waren, war ich dennoch erschrocken, wie viel am Haus noch im Argen liegt. Am wichtigsten: Wir haben trotz mildem Wetters noch immer keinen Außenputz (+5°C notwendig). Warmwasser wurde erst diese Woche aktiviert. Die Außendämmung wurde begonnen, jedoch hat sich seit dem Tag der Hausübergabe niemand mehr blicken lassen. Für Löcher im Putz, die ich vor den Malerarbeiten noch verspachtele, und unsauber gearbeitete Ecken zahlt HS-Solid 150€ Ausgleich. Außerdem soll noch ein Fensterputzer kommen. Für alle weiteren Arbeiten gilt eine Frist bis Ende November. Bauleiter Herr S. zierte sich mit einer Fristenregelung im Übergabeprotokoll. Da man ohne Frist nicht mahnen kann, sollte das aber immer drin sein! Bei erfolgloser Mahnung lassen sich Arbeiten extern vergeben und HS-Solid muss zahlen.

Als wir wegen des zur Hausübergabe fehlenden Warmwassers uns die Vertragsstrafe vorbehalten wollten, strich uns Bauleiter S. doch glatt die vertraglich ausgeschlossenen 8 Wochen Estrich-Trocknungszeit auf’s Brot: HS-Solid liege somit noch voll in der Town & Country-Bauzeitgarantie. Moment mal! Herr Krywald, Geschäftsführer der HS-Solid hatte uns noch in einem Krisengespräch Ende Mai versichert, die 8 Wochen Trocknungszeit würden garantiert nicht (!) auf die Bauzeit aufgerechnet. Der Estrich könne nach 3 Tagen betreten werden und die Bauzeit ticke exakt sechs Monate ab Beginn der Einmessung! Als Bauherr fühlt man sich ein weiteres Mal verarscht. Die Vertragsstrafe scheint nicht mehr wert, als das Papier auf dem sie geschrieben steht.

Warum wir trotz allem die Übergabe gemacht haben? Nun, wir können endlich anfangen zu malern. Denn bis 30.11. muss das Haus innen gestrichen, die Böden verlegt und unsere alte Wohnung renoviert sein. Da das Malern vor Übergabe vertraglich ausgeschlossen ist, zugleich die Hausübergabe durch “schlüssiges Verhalten” explizit benannt wird, ist hier Vorsicht angesagt – auch wenn der Bauleiter mündlich sein OK dazu gibt.

Wir sind also noch immer nicht unabhängig von HS-Solid, aber wir fühlen uns schon mal ein wenig mehr Herr im eigenen Heim. Ich berichte, wie es weiter geht.

Blower-Door-Test

Blower-Door-Test (Bild)Heute war der VQC da, um den Blower-Door-Test durchzuführen, ein Verfahren, um die Dichtheit eines Hauses zu ermitteln. Der Blower-Door-Test ist bei KfW-Mitteln für Energie-Effizientes Bauen Vorschrift. Wir bauen ein KfW-70-Haus.

Um es kurz zu machen: Unser Haus hat den Test NICHT BESTANDEN!

Es existieren also grobe Mängel in der Abdichtung. Die Luftströme an den Fallrohrschächten im Hauswirtschaftsraum waren sogar mit der bloßen Hand zu spüren. Das ist ein sehr beunruhigendes Ergebnis.

Am Freitag sollte eigentlich Hausabnahme sein. Ein wenig hatte ich eh schon Bedenken, da weder Solarthermische Anlage, noch Warmwasserspeicher angeschlossen sind. Es gibt auch noch kein Waschbecken, keine Kloschüssel, nichts. Ein Anruf bei der zuständigen Sanitärfirma Tauchert am Montag brachte das Ergebnis, dass diese nicht über den Abnahmetermin informiert wurden. So spontan könne man die Mitarbeiter dazu nicht bereitstellen. Es stellt sich also die Frage, weiß HS-Solid über den tatsächlichen Baufortschritt überhaupt Bescheid? Oder wollte man etwa eine Abnahme machen – EGAL wie der Baufortschritt ist???

Nach dem Blower-Door-Test schrieb ich Bauleiter S., er möge mir sagen, inwieweit die Hausübergabe am Freitag in Anbetracht der zu behebenden Dichtigkeitsprobleme zu schaffen sei bzw. wann die Übergabe dann geplant sei. Er antwortete mir daraufhin, der Übergabetermin sei “wunschgemäß” auf Mittwoch den 23.10. verlegt worden. – Momentmal! “Wunschgemäß”? Ich habe mit nicht einem Wort geschrieben, dass ich einen anderen Termin haben möchte! Mein Wunsch ist ein mängelfreies Haus bei Übergabe! Und mein Wunsch ist die Einhaltung der Bauzeit, welche von HS-Solid / Town & Country großspurig als Bauzeitgarantie verkauft wird, aber schon längst nicht mehr eingehalten wird. Die Formulierung “wunschgemäß” heißt für mich, dass wieder einmal versucht wird, mir die Schuld für die Bauzeitverzögerung unterzujubeln. Als ob ich Schuld an einem nicht bestandenen Blower-Door-Test hätte!

Mein Wunsch ist auch die Fertigstellung von Dämmung und Außenputz vor dem ersten Kälteeinbruch. Ich bin gespannt, ob das noch hinhaut. Immerhin hat Fa. Pulvermacher bereits den Beginn der Arbeiten für diese Woche in Aussicht gestellt. Noch ist nichts zu sehen.

In der Zielgeraden…

Wir befinden uns so allmählich auf den letzten Metern. Allmählich – das heißt: Eigentlich tut sich im und am Haus nicht so wahnsinnig viel und trotzdem gibt es eine Menge zu tun.

Das Aufheizprogramm für den Estrich läuft noch und der Elektriker ist immer wieder zugange (aber noch lange nicht fertig). Zwischenzeitlich hat er unser Haus ans Stromnetz angeschlossen. Dabei hat er den Baustrom unserer zukünftigen Hinterlieger abgeklemmt, weil die angeblich nicht gleichzeitig noch an unserer Hausanschluss-Säule angeklemmt bleiben können. So ganz habe ich nicht verstanden, wo das Problem liegt. Nur leider hat das für Verstimmungen mit den Hinterliegern geführt, die deswegen einen Baustopp hatten. Was niemals unsere Absicht war.

Mit der Telekom gibt es ein Problem, da der Straßen-Anschlusspunkt auf der anderen Seite der Baustrassen-Überfahrt liegt. Also kommen wir da erst ran, wenn der Hinterlieger fertig mit dem Bauen ist. Bei dem steht bis jetzt das Erdgeschoß. Wir werden wohl erstmal ohne Telefon-Anschluss einziehen müssen! Bin gespannt, was 1&1 dazu sagt, mit denen ich noch weitere 12 Monate Vertragsbindung habe…

Firma Pulvermacher hat uns immerhin schon zugesagt, dass wir in der Warteliste für Dämmung und Außenputz schon ganz weit vorne liegen, so dass dies noch im Oktober erfolgen kann. Später geht dann auch nicht mehr.

Die größte Herausforderung im ganzen Hausbau haben wir nun auch hinter uns gebracht: die Qual der Fliesenwahl. (Fast) nichts war schwieriger während der gesamten Bauphase. Am Ende war es soweit, dass der Fliesenleger (Firma Dietz) am 17.9. ankündigte, sie würden am 25.9. beginnen. Dumm nur, dass wir noch gar keine Fliesen bestellt hatten! Immerhin hatten wir schon eine engere Auswahl, wobei unsere Favoriten viel zu teuer waren. Diese stammten vom Fliesen-Zentrum Berlin, mit denen ich unter Zeitdruck in die Verhandlung ging. Es gelang mir, den Verkäufer um gut 1000€ im Preis zu drücken. Ich schwärmte ihm von einer imaginären Baumarktfliese vor, die fast genauso schön sei, aber sooooo viel billiger… – Was da auf einmal möglich wurde, hat mich dann selbst erstaunt. Und das Beste war: Die Fliesen waren bis auf das Brick-Mosaik auf Lager und konnten innerhalb eines Tages geliefert werden!

Firma Dietz haben wir jetzt nur mit dem Minimalprogramm beauftragt. Eigentlich wollten wir Bad, Gäste-WC (Boden und Wand), Küche und Flur (jeweils nur Boden) von denen machen lassen. Aber 2560€ Arbeitskosten waren mir dann doch zu viel (also noch ohne Fliesen!). Für die Town&Country Standardleistung werden 690€ gegengerechnet (was den Fliesenpreis von 20€/qm wohl schon enthält!). Diese Woche kamen dann noch mal 300€ Aufpreis für Edelstahlleisten statt Plastik als Kantenschutz im Bad hinzu! Bei Selbstbesorgung der Leisten verlangen sie immer noch 133€ Aufpreis – wobei sich mir kein wirklich relevanter Mehraufwand erschließt. Für das Verlegen von “Fremdware” müssen wir eh schon 250€ Aufpreis zahlen. “Fremdware” heißt, dass wir die Fliesen nicht beim Kooperationspartner Raab-Karcher, sondern sonstwo gekauft haben. Ein Verkäufer in einem Fliesengeschäft sagte uns unter der Hand, dass die Fliesenleger üblicherweise eine saftige Provision von den Fliesengeschäften erhalten – klar, wer die mitbezahlen darf! Als Bauherr fühlt man sich wieder einmal wie ein wandelnder Geldsack für alle…

Nebenbei arbeiten wir an unserem 10qm-Geräte-Häuschen. Wer glaubt, mit einem Tausender Anschaffungskosten für das Häuschen sei es getan, irrt gewaltig: Für ein einfaches Plattenfundament (64 Betonplatten + 2t RCT-Schotter + Sand + Miete für “Robben & Wientjes”-Pritschenwagen), Holzschutz und Lasur, sowie zwei Rollen Dachpappe muss man locker nochmal 500€ zusätzlich berappen. Geld, Geld, Geld…
Fundament Gerätehaus (Bild)Der Verlegeboden (Sand) für das Plattenfundament. Sieht einfach aus, war aber schon eine Menge Arbeit!

Viele “gute” Nachrichten… (Heizung verlegt und anderes)

Man soll ja Baublog nicht schreiben, wenn die Emotionen noch in Wallung sind. Das ist zumindest meine Erfahrung. Heute halte ich mich nicht daran, versuche aber bei den Fakten zu bleiben.

Letzte Woche ist wieder viel passiert. Der Fussbodenaufbau hat begonnen. Leider keine mineralische Dämmung, sondern so ein Styroporzeugs [Edit 03.09.13: Schaumpolystyrol]. Ist wahrscheinlich billig. Heute wurde dann die Fussbodenheizung verlegt:
Fussbodenheizung (Bild)So weit erstmal gut. Nur leider wurde die Fussbodenheizung auch unter der Dusche, unter der Badewanne und unter der Küchenzeile verlegt. Völliger Blödsinn und Energieverschwendung obendrein! Der Mitarbeiter der Fa. Tauchert hatte mir letzte Woche erklärt, dass der Chef sie angewiesen habe überall Fussbodenheizung zu verlegen – egal was der Bauherr sagt! Es habe zuviel Beanstandungen von Bauherrn gegeben, so dass sie jetzt auf keine Wünsche mehr eingingen. Einzig im HWR sei es mir freigestellt, auf die Fussbodenheizung zu verzichten. Das war dann auch mein Wunsch! Wozu auch eine Heizung im HWR? Leider stellte ich heute abend bei der Besichtigung fest, dass die Mitarbeiter der Fa. Tauchert sich nicht an die Absprachen gehalten haben. Nun werden zukünftig auch die Getränkekisten im HWR von unten beheizt. Super! Da morgen der Estrich gegossen wird, ist keine Zeit mehr für Änderungen.

Dann gab es noch eine weitere “gute” Nachricht, diesmal aus der Zentrale von HS-Solid: Bei der Bemusterung hatten wir in einem kurzem Blackout Buchentüren ausgewählt. Die passen nun weder zu unserer Küche noch zum geplanten Fussbodenbelag. Also fragte ich bei HS-Solid an, ob wir die Türen noch in weiß ändern können. Die zuständige Dame Frau B. (kannte ich noch nicht) rief mich darauf zurück. Es gebe eine gute Nachricht. Der Tür-Hersteller sei bereit, die Bestellung zu ändern. Für uns würden dadurch keine (!) Mehrkosten entstehen. Nur leider würde sich dadurch die Bauzeit um zwei Wochen verlängern. Moment mal! Man erinnere sich: Nach Ende der vertraglichen Bauzeit muss HS-Solid eine Vertragsstrafe von 50€ pro Werktag zahlen. Heute sind es noch 1 Monat und 9 Tage Bauzeit. Morgen wird der Estrich gegossen. Der Bauleiter schätzte Ende letzter Woche noch 8 Wochen bis zur Übergabe. Was für ein Glück und welch unverhoffter Zufall für HS-Solid, dass die Bauzeitverlängerung ausgerechnet diesen Zeitraum abdeckt.

Ach und dann hat der Bauleiter uns noch mitgeteilt, dass Außenputz und Dämmung leider erst nach der Übergabe gemacht werden, da es in diesem Bereich erneut zu erheblichen Verzögerungen kommt. Macht ja auch Fa. Pulvermacher, die den Rohbau schon um Wochen verzögert haben aufgrund des hohen Auftragsvolumens. Soviel ich weiß darf der Außenputz nur bei Temperaturen dauerhaft oberhalb 5°C aufgetragen werden. In 8 Wochen ist es Ende Oktober. Die Klimadaten von Wetteronline lassen nichts Gutes hoffen

So, war mein Bericht nun angemessen und nüchtern genug? Ich habe mir wirklich Mühe gegeben! Jetzt suche ich mir erstmal einen Box-Sack und dann gehe ich Schreien in den Wald und dann noch ein Stück hartes Leder zum drauf Rumkauen. Arghhh!

Innenputz – fast überall… jedoch…

Die Putzer sind im vollen Gange. Im EG sind bereits die meisten Räume verputzt, außer…
Innenputz (Bild)…ja, außer…
Aber erst eine weitere gute Nachricht: Wir haben nun auch eine Treppe! Allerdings…Treppe Bodensee 129 (Bild)Geländer OG (Bild)Außer, allerdings…
…haben die Putzer Flur und Diele nicht verputzt. Das sollte jedoch vor (!) der Treppeninstallation passieren!!! Die Treppenbauer haben wohl gleich Bauleiter Herrn S. informiert, der sofort vorbei gekommen sei, um sich die Sache anzusehen (was ich mal eine echt gute Nachricht finde). Wie die Putzer jetzt um die Treppe rumputzen… nun, ich bin gespannt. [Edit: Sie haben es hingekriegt, um die Treppe ist nun alles ordentlich verputzt]
VQC - Verein für Qualitäts-Controlle am Bau e.V. (Bild)Letzte Woche muss wohl auch eine erste Begehung des VQC stattgefunden haben. Erkennbar an einem Aufkleber im Gäste-WC-Fenster. VQC heißt “Verein zur Qualitäts-Controlle am Bau e.V.” – Leute, also wirklich, “Controlle”! Wer hat sich diesen Namen denn bitte ausgedacht? Klingt ja nicht gerade professionell. Im Übrigen bin ich sehr neugierig, ob ich ein Prüfprotokoll zu sehen bekomme!

Ach, und noch etwas Spannendes ist passiert: Wir haben eine Anfrage vom Fernsehen! Wir hören uns das erstmal an und entscheiden dann. Es soll nochmal einer sagen, Bauen sei nicht aufregend!

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