“Keine Zeit für Kompromisse” – wie HS-Solid “kostenlos” 500€ einbehält.

Ich hatte mich im vorletzten Beitrag schon über dieses Thema aufgeregt. Da es noch ein Nachspiel hatte, möchte ich detaillierter diese Begebenheit schildern.

Am Sonntag, 25.8., schrieb ich HS-Solid, ob es möglich ist, unsere Türbestellung Standard-Buche auf Standard-Weiß zu ändern. Wir haben noch ca. 8 Wochen bis zur Fertigstellung. HS-Solid muss ab 6.10. Vertragsstrafe wegen Nicht-Einhaltung der Bauzeit zahlen (50€/Werktag). Gestern, 28.8., wurde der Estrich gegossen.

Am Montag rief eine Frau B., “Projektplanerin” von HS-Solid, an. Sie habe mit dem Hersteller telefoniert und die “gute Nachricht” sei, dass eine Umbestellung möglich ist und “sogar kostenlos”! Allerdings würde sich dadurch eine Bauzeitverlängerung von zwei Wochen ergeben (also 500€ Vertragsstrafe, die wir verlieren würden).

Am Dienstag rief ich beim Türenhersteller UDIPAN an und fragte, wie lange es dauert, bis diese Türen lieferbar sind. Mir wurde gesagt, wenn sie diese Woche bestellt werden, seien sie im Laufe der nächsten Woche lieferbar!

Ich schrieb Frau B. eine Email, dass ich die Bauzeitverzögerung aufgrund dieser Aussage nicht nachvollziehen kann und daher nicht mit der Bauzeitverlängerung einverstanden bin.

In ihrer Antwort-Mail schrieb sie, die Verlängerung sei für die “Koordinierung interner Bauabläufe” notwendig. Außerdem sei UDIPAN nicht MEIN Vertragspartner. (Sie war wohl sauer, dass ich dort angerufen habe?)

Da mir nicht klar war, wieso eine andere Türfarbe zwei Wochen Bauablauf-Koordinierung nach sich zieht, rief ich Mittwoch vormittag Frau B. an, die jedoch “im Gespräch” war. Am Nachmittag erfolgte der Rückruf.

Ich wollte natürlich wissen, wie sich zwei Wochen Mehrarbeit ergeben. Woraufhin sie mir sagte, dass sie mir gegenüber nicht über die internen Abläufe Rechenschaft schuldig sei. Nun, ich fand, bei 500€ könnte man sich ja vielleicht doch die Mühe machen, mich ein bisschen aufzuklären.

Frau B. erklärte dann, wie umfangreich die Umbestellung sei. Wenn ich es richtig verstanden habe, muss sie die Bestellung erneut aufgeben, dann kommt sie zurück und sie muss sie gegenzeichnen und wieder hinschicken. Ob sie damit zwei Wochen beschäftigt sei? Darauf bekam ich zu hören, dass ich bei der Bemusterung alles unterschrieben habe und HS-Solid deshalb sowieso zu nichts verpflichtet sei.

Ich hatte trotzdem noch nicht verstanden, wieso die Farbe Weiß zwei Wochen Bauzeitverzögerung verursacht. Frau B. erklärte mir dann den Unterschied zwischen “lieferbar” und “Lieferung”. – Häh? Ich denke, die Firma UDIPAN baut die Türen selbst ein? Da wären die doch doof, wenn sie die Türen nicht gleich mitnehmen? Frau B. erklärte mir, dass UDIPAN Fremdunternehmen für die Lieferung einbinde und diese gewisse Vorlaufzeiten hätten. – Ja, aber…Moment mal! Die Buchentüren hätten doch auch geliefert werden müssen? Und hatten Sie mir nicht noch mitgeteilt, es läge an der internen Bauablauf-Koordinierung? Also liegt es jetzt doch an der Lieferbarkeit… äh… Lieferung? [Edit 3.10.2013: Der Monteur von UDIPAN kam mit dem firmeneigenen Kleinlaster und brachte die Türen selbst mit.]

Außerdem konfrontierte ich sie damit, dass Bauleiter S. letzte Woche schon von 8 Wochen bis zur Übergabe sprach, die Bauzeitverlängerung also schon längst auf HS-Solid zurückgeht und nicht auf meinen Türenwunsch. Frau B. sagte, das sei etwas ganz anderes und es seien schon wir, die mit unseren Türen eine Verzögerung auslösen. – Achso… wie ist eigentlich egal, aber in jedem Fall: wir sind schuld! Verstanden.

Am Ende sagte Frau B. noch, das sei intern so abgesprochen und entweder ich nehme die Bauzeitverlängerung in Kauf oder ich kriege Buchentüren. Nun, damit hatte sie wohl gesagt, worum es wirklich geht: es ist intern so abgesprochen. Danke, HS-Solid, danke!

Trotzdem schrieb ich am nächsten Tag noch einmal eine Email, dass ich mit einer Woche Bauzeitverlängerung einverstanden bin (obwohl ich mich schon wie der Affe vom Dienst fühlte).

Daraufhin kam eine Mail von Bauleiter Herrn S.: Ich solle mich für oder gegen Umbestellung und Bauzeitverlängerung entscheiden und es gebe keine Verhandlungsbasis. HS-Solid habe “keine Zeit für Kompromisse”. Sie seien “kein karitatives Unternehmen”. – Wow! Was für eine Aussage!

Ich habe zähneknirschend diesem freundlichen Angebot zugestimmt. Aber ich fühle mich erpresst und verarscht. Mir eine Bauzeitverlängerung noch als “kostenlos” und “gute Nachricht” zu verkaufen, keine Verhandlungsbereitschaft zeigen und es noch nicht mal plausibel argumentieren können!

Hinzu kommt, dass ich gestern abend und heute morgen Bauleiter S. eine Mail geschickt habe mit Fotos von der Unterspannbahn im Giebel-Bereich, die aus meiner Sicht nicht ordentlich verlegt wurde. Darauf hat er noch nicht reagiert (Bauzeitverlängerung war wohl wichtiger). Ich bin gespannt, ob und wie er antwortet. Da auf bisherige Mängelanzeigen nicht bzw. nicht adäquat geantwortet wurde (eine Dokumentation der Mangelbehebung sei nicht Vertragsgegenstand), rechne ich mit nichts Gutem. [Edit 6.9.2013: Ich muss das richtigstellen: Bauleiter S. hat sofort den Dachdecker informiert, was ich jedoch erst durch den Anruf des Dachdeckers mitbekam, der versprach, am Montag vorbei zu gucken.]

Heute mittag kam erneut eine Rechnung von HS-Solid über 30.000€. Damit sind sie immer schnell.Unterspannbahn 1 (Bild)Die USB wurde nicht an der obersten Lattung befestigt:Unterspannbahn 2 (Bild)Unterspannbahn 3 (Bild)

Viele “gute” Nachrichten… (Heizung verlegt und anderes)

Man soll ja Baublog nicht schreiben, wenn die Emotionen noch in Wallung sind. Das ist zumindest meine Erfahrung. Heute halte ich mich nicht daran, versuche aber bei den Fakten zu bleiben.

Letzte Woche ist wieder viel passiert. Der Fussbodenaufbau hat begonnen. Leider keine mineralische Dämmung, sondern so ein Styroporzeugs [Edit 03.09.13: Schaumpolystyrol]. Ist wahrscheinlich billig. Heute wurde dann die Fussbodenheizung verlegt:
Fussbodenheizung (Bild)So weit erstmal gut. Nur leider wurde die Fussbodenheizung auch unter der Dusche, unter der Badewanne und unter der Küchenzeile verlegt. Völliger Blödsinn und Energieverschwendung obendrein! Der Mitarbeiter der Fa. Tauchert hatte mir letzte Woche erklärt, dass der Chef sie angewiesen habe überall Fussbodenheizung zu verlegen – egal was der Bauherr sagt! Es habe zuviel Beanstandungen von Bauherrn gegeben, so dass sie jetzt auf keine Wünsche mehr eingingen. Einzig im HWR sei es mir freigestellt, auf die Fussbodenheizung zu verzichten. Das war dann auch mein Wunsch! Wozu auch eine Heizung im HWR? Leider stellte ich heute abend bei der Besichtigung fest, dass die Mitarbeiter der Fa. Tauchert sich nicht an die Absprachen gehalten haben. Nun werden zukünftig auch die Getränkekisten im HWR von unten beheizt. Super! Da morgen der Estrich gegossen wird, ist keine Zeit mehr für Änderungen.

Dann gab es noch eine weitere “gute” Nachricht, diesmal aus der Zentrale von HS-Solid: Bei der Bemusterung hatten wir in einem kurzem Blackout Buchentüren ausgewählt. Die passen nun weder zu unserer Küche noch zum geplanten Fussbodenbelag. Also fragte ich bei HS-Solid an, ob wir die Türen noch in weiß ändern können. Die zuständige Dame Frau B. (kannte ich noch nicht) rief mich darauf zurück. Es gebe eine gute Nachricht. Der Tür-Hersteller sei bereit, die Bestellung zu ändern. Für uns würden dadurch keine (!) Mehrkosten entstehen. Nur leider würde sich dadurch die Bauzeit um zwei Wochen verlängern. Moment mal! Man erinnere sich: Nach Ende der vertraglichen Bauzeit muss HS-Solid eine Vertragsstrafe von 50€ pro Werktag zahlen. Heute sind es noch 1 Monat und 9 Tage Bauzeit. Morgen wird der Estrich gegossen. Der Bauleiter schätzte Ende letzter Woche noch 8 Wochen bis zur Übergabe. Was für ein Glück und welch unverhoffter Zufall für HS-Solid, dass die Bauzeitverlängerung ausgerechnet diesen Zeitraum abdeckt.

Ach und dann hat der Bauleiter uns noch mitgeteilt, dass Außenputz und Dämmung leider erst nach der Übergabe gemacht werden, da es in diesem Bereich erneut zu erheblichen Verzögerungen kommt. Macht ja auch Fa. Pulvermacher, die den Rohbau schon um Wochen verzögert haben aufgrund des hohen Auftragsvolumens. Soviel ich weiß darf der Außenputz nur bei Temperaturen dauerhaft oberhalb 5°C aufgetragen werden. In 8 Wochen ist es Ende Oktober. Die Klimadaten von Wetteronline lassen nichts Gutes hoffen

So, war mein Bericht nun angemessen und nüchtern genug? Ich habe mir wirklich Mühe gegeben! Jetzt suche ich mir erstmal einen Box-Sack und dann gehe ich Schreien in den Wald und dann noch ein Stück hartes Leder zum drauf Rumkauen. Arghhh!

Dann nehmen wir halt… Standard! (2. Planungsgespräch)

Endlich wieder einen Schritt weiter: Am Freitag konnten wir endlich unseren Bauantrag bei HS-Solid / Town & Country unterzeichnen. Darauf schloss sich gleich das 2. Planungsgespräch an. Evelyn hatte mich am Vorabend noch gebrieft: “Bitte so wenig Extra-Kosten wie möglich!” – Hatte ich eh nicht vor. Aber wenn man die Blogs so liest, muss die Standard-Ausführung ja grausig sein. Um es vorweg zu nehmen: Grausig fand ich sie nicht, oft schlicht und funktional, aber teils auch besser als die teure Zusatzausstattung. Hier ein paar Bilder:

Die Eingangstür (Bild)
Das ist die Eingangstür. Wir fanden sie ganz in Ordnung. Der Türgriff wirkt ein wenig windig, aber der alternativ vorgeschlagene Edelstahl-Zylinder für 100 Euro Aufpreis passte null-komma-gar-nicht zu dieser Tür. Also blieb es dabei. Wir wollen gerne Klarglas. Frau P. von HS-Solid will sich informieren, ob das möglich ist.

Die Treppe ins erste OG (Bild)
Die Treppe fanden wir ein wenig klobig, obwohl durch die Alustreben in der Standardausführung zwar etwas aufgelockert. Das Alternativmodell gegen Aufpreis (im Hintergrund) sagte uns aber erst recht nicht zu. Die Stufen aus geleimten Furnierholz im Standard – ja, für uns ausreichend!

Innentür Ausführung Buche (Bild)
Die Innentüren haben wir in Buche gewählt. Andere Varianten waren verfügbar (erinnerlich: Weiß und Ahorn) und ebenfalls Standard-Ausstattung. Schwer zu entscheiden, wenn wir noch nicht wissen, was wir später für Böden haben werden!

Türkliniken (Bild)
Das sind die drei Standard-Türkliniken. Wir fanden alle drei gut und sogar besser als die teuren Extra-Ausstattungen. Entschieden haben wir uns aufgrund der besten Haptik für das oberste Modell.

Badewanne (Bild)Badarmaturen (Bild)
Hänge-WC (Bild)Waschbecken (Bild)
Die Standard-Badarmaturen empfanden wir als sehr funktional und wenig dekorativ. Wir haben sie dennoch belassen. sowas kann man später immer mal austauschen. Die Badewanne erschien uns angenehm groß und tief. Pläne für eine Eckbadewanne haben wir beim anschließenden Baumarktbesuch schnell verworfen: zu groß, zuviel Wasservolumen, schwierig bei Bedarf noch eine Duschwand zu integrieren. Das Waschbecken haben wir für das EG-Bad akzeptiert. Für das große Bad im OG wollen wir aber etwas Größeres und ein moderneres Design. Also haben wir es streichen lassen. Das Hänge-WC sieht aus wie tausend andere auch und ist genauso gut wie tausend andere.

Innenfensterbank (Bild)
Die Werzalitfensterbänke sind… scheußlich! Schlafzimmer, Arbeitszimmer und HWR – sonst kommen sie sowieso nirgendwo in Einsatz. Also Augen zu und – “ja wir nehmen sie!”, marmoriert, dann sieht man wenigstens den Staub nicht gleich.[Nachtrag: Wir nehmen sie in weiß!]

Fensterbank außen (Bild)
Draußen sind dann Alu-Fensterbänke. Auch nicht toll. Aber ok.

Geländer für französischer Fenster (Bild)
So und hier konnten wir nicht mehr anders: Aufpreis! Die Geländer für die französischen Fenster in der Standardausführung aus verzinktem Stahl gruselten uns. Da half selbst der vermittelnde Kommentar von Frau P., wir könnten sie streichen, nichts. Die Edelstahlausführung kostet pro Geländer 290.- extra, also für uns mal eben 580.- Mehrkosten.

Dachpfannen (Bild)
Unser Dach wird anthrazit gedeckt (Braas Harzer Pfanne). Die schöne tiefschwarze Ausführung stand im Nachbarregal und kostet natürlich Aufpreis. Klar wäre klassisch terrakotta auch nett, ist aber nicht mit so vielen Fassadenfarben kombinierbar.

Es gab noch einiges anderes in diesen drei Stunden zu entscheiden. Umfangreich war die Besprechung, wie Fenster und Türen öffnen sollen. Und in den Bauantrag musste auch schon unsere Fassadenfarbe rein. Wir haben es mal Terrakotta genannt. Ist ja ein dehnbarer Begriff. Soll der Dachkasten gestrichen werden (175.- extra – machen wir selbst)? Auch wissen wir nun, dass wir in den nächsten zwei Monaten uns für eine Küche entscheiden müssen. Obwohl wir nicht wissen, was wir uns nach Fertigstellung überhaupt noch leisten können bzw. wollen. Anhand der Küchenplanung wird der Wasseranschluss und die Elektrik gelegt. Eine 10cm größere Duschwanne kostet uns 297.- extra. Frau P. riet uns ab, das aus dem Vertrag raus zu nehmen, da wir uns sonst auch um den fachgerechten Einbau kümmern müssen und bei Problemen von Town & Country keine Haftung/Gewährleistung übernommen wird. Keine Ahnung, wie ich dazu denken soll.

Insgesamt waren wir zufrieden mit unserem Planungsgespräch. Frau P. führte uns gut und freundlich durch den gesamten Prozess und wir hatten nie den Eindruck, dass uns etwas aufgeschwatzt wird. Manchmal hätte ich mir vielleicht sogar ein paar mehr Alternativen gewünscht – selbst wenn diese Aufpreis gekostet hätten. Für die nächsten zwei Monate haben wir erstmal genug Hausaufgaben. Medienbeantragung, Baustrom, Bauwasser, Küche, Fließen, Bodenbeläge, Hausversicherung, Baugutachter finden, bereits vorhandene Baustraße erweitern, etc. pp.